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Predigt und Buße

Tempio di San Lorenzo: Liturgische Ergründung

Die Chiesa di S. Lorenzo war wesentlich größer, als der ursprüngliche Sitz in der Chiesa di San Francesco und entsprach somit den Bedürfnissen einer expandierenden Stadt, deren Umwandlung von der Anwesenheit der Bettelorden (wie bereits erwähnt wurde im Jahre 1260 auch die Gründung der S. Corona den Domenikanern anvertraut) sowohl im religiösen, als auch im sozial-kulturellen Leben dank eines hauptsächlich städtischen Apostolats beeinflußt wurde. Auf dem Platz vor der Kirche liefen "die von den Glocken des Kreuzganges gerufenen Gläubigen aller Gesellschaftsklassen zusammen, um den verschiedenen Stundengebeten und Predigten beizuwohnen, um die Sakramente der Beichte und des Abendmahls zu empfangen, um an den besonderen Andachten teilzunehmen, um ihre Verstorbenen zu beerdigen" (Dal Pino, 1984). Dem Beispiel des Heiligen Franzikus folgend, der auf die Güter seines Vaters verzichtete, um mit den Armen zu leben, mit denen er in deren Sprache des Volkes sprach, hielten die Minoriten die Predigt zu den Laien für eine der wichtigsten Missionen des Ordens. Die Aufzeichnungen aus der Zeit erwähnen die Anwesenheit außergewöhnlicher Redner, die während des Advents oder der Fastenzeit von großen Mengen Gläubiger angehört wurden: Bernardino da Siena predigte in S. Lorenzo von 1423 bis 1443; im Jahre 1461 kam dagegen Giovanni da Capestrano hierher und legte vielen jungen Bürgern und Künstlern das Gewand des Heiligen Franzikus an. Mit der Predigt beeinflußten die Mönche in der Tat nicht nur das religiöse Leben jedes Einzelnen und der Gesellschaft, sondern auch die öffentlichen Bräuche und die Besorgung der politischen Angelegenheiten.Von der Kanzel aus wurde zur Nachahmung Christi aufgerufen, indem der Weg des Kreuzes gezeigt wurde. Letzterer war vom Franziskanerorden besonders verehrt und wurde in seiner geschichtlichen und mystischen Realität als sakramentales Zeichen und wirklicher Weg der Rettung dargestellt, der den Gläubigen durch das Sakrament der Buße zugänglich war. Die häufige Beichte, auf die auch S. Bernardino bestand, rückte die Bedeutung in den Vordergrund, die dieses Sakrament im religiösen Leben gewonnen hatte. Der Beichtvater mußte ausreichend darauf vorbereitet sein, den Gläubigen in der Prüfung des Gewissens zu führen, denn von dessen Sorgfalt hing das Seelenheil ab. Die Mönche übernahmen also diese Aufgabe und machten daraus ein seelsorgerisches Mittel, außerdem verliehen sie durch das direkte Verhältnis zwischen Beichtvater und Büßer dem Gewissen des Einzelnen eine Gestalt und einen christlichen Inhalt.
Noch heute befinden sich in der Kirche an den Seitenwänden die Beichtstühle, wo die Beichtväter täglich die Gläubigen, die das Sakrament empfangen, aufnehmen.

Text: Frau Dr. Michela Fantin (Amt für Kulturgut der Diözese Vicenza)


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