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Marienfeste und -"gedächtnisse"

Chiesa di Santa Maria in Foro o dei Servi: Liturgische Ergründung

Die Liturgie ist für die Serviten der bevorzugte Ort, um den Dienst an der Hl. Jungfrau auszudrücken; die Kapitelsverordnungen zwischen dem XIII. und XIV. Jahrhundert dringen auf die Bedeutung der Anbetung der Mutter Gottes. Die Figur der Maria nimmt jedoch keinen Platz für sich selbst ein, sondern erscheint immer in Verbindung mit dem Ostergeheimnis, das das gesamte liturgische Jahr leitet. Letzteres behält zwar die Teilung der römischen Kirche bei, hat aber vom theologischen Standpunkt aus seinen Ablauf: Es beginnt mit der Geburt der Jungfrau und endet mit deren Himmelfahrt. In dieser Gliederung wird allen Marienfesten und-"gedächtnissen Bedeutung beigemessen, besondere Aufmerksamkeit wird der Feier des Samstags geschenkt. Der Samstag, der Tag nach dem Tod und vor der Auferstehung Christi, wird in der westlichen Kirche als Moment angesehen, in dem die gesamte Hoffnung und der gesamte Glaube in Maria gesetzt wurde. Die Geburt der Jungfrau (8. September) ist dagegen ein sehr wichtiges Fest für den Osten, da es auf den Beginn des byzantinischen Kirchenjahres fällt; die Feier zeigt die Ankunft derer an, die am Anfang der Heilsgeschichte steht. In Vicenza begann die Feierlichkeit der "Madonna dei Oto" mit der ersten von der Stadt angeordneten Prozession im Jahre 1407, sie wurde dann als wichtigstes Stadtfest am Wallfahrtsort Monte Berico weitergeführt. Es folgen dann die älteren Feste, die im Laufe der Jahrhunderte zu Dogmen der Kirche wurden: Mariä Empfängnis (8. Dezember), Maria Mutter Gottes (1. Januar) und Mariä Himmelfahrt (15. August), ein Fest das im Osten als Dormizione der Heiligen Maria gefeiert wird und ihre Verherrlichung im Paradies ehrt. Mit diesem Fest endet der theologische Ablauf der Serviten, die jedoch mit ihrem besonderen "Gedächtnis" die Marienliturgie beeinflußten: Selige Jungfrau Maria Schmerzensmutter (15. September). Das im Mittelalter entstandene Fest wurde vom Apostolat des Ordens verbreitet, im Jahre 1667 für denselben anerkannt und 1814 von Papst Pius VII auf die gesamte Kirche ausgedehnt. Ursprünglich fiel es auf den Freitag vor Palmsonntag, heute ist es dagegen auf den Tag nach der Lobpreisung des Kreuzes (14. September) festgelegt. In beiden Momenten hebt sich die Figur der Schmerzensmutter ab: Die Mater dolorosa, die dem Opfer des Sohnes beiwohnt und an seinem Leidensweg und Tod beteiligt ist.
Die Chiesa di S. Maria dei Servi verfügt über einen der Jungfrau geweihten Altar, der zweite im linken Schiff, der diese liturgische Entwicklung nachvollzieht: Er wurde im XVI. Jh. von der Familie Velo gebaut und war ursprünglich dem Kruzifix geweiht. 1834 wurde er verändert und der Schmerzensmutter, die von der bunten Statue in der Nische dargestellt wird, geweiht.

Text: Frau Dr. Michela Fantin (Amt für Kulturgut der Diözese Vicenza)


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