Die Wallfahrt
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Basilica di Monte Berico: Liturgische Ergründung
Die Wallfahrt ist ein allgemeines religiöses Phänomen. Der Zustand des "peregrinare" (umherziehen) spielt auf die tiefere Struktur des Menschen, auf seine unbeständige Natur, auf seine ständige Suche nach dem wahren Haus an. Hierauf sind die zwei klassischen Dimensionen des religiösen Gedankens zurückzuführen: Die Erfahrung des Homo Viator, der auf seiner Reise zum Erforscher und Kenner der Menschen wird, um eine tiefere Kenntnis seiner selbst zu erlangen; und die des Peregrinans, der sich auf den Weg zu einem symbolisch zentralen Ort macht, um die Erfahrung der geistlichen Erneuerung zu erleben. Der Gläubige nimmt den Aufruf der Rettung an und in Begleitung von Abraham, dem"Ausländer und Pilger", geht er los, um die tiefe Wahrheit seines Herzens zu finden: Das gelobte Land. Die Wallfahrt hat also einen sakramentalen Zweck und Wert: Die Bekehrung und die Begegnung mit Gott in der Feier der "rettenden Gnade". Obwohl es sich hierbei nicht um eine rituelle Form im engsten Sinne handelt, ist die Wallfahrt für den Gläubigen eine Gelegenheit zur Buße und Bekehrung, eine Station seines weltlichen Weges, seiner historia salutis.
Die Figur der Maria, Jungfrau und Mutter Gottes, die so eng mit dem Geheimnis der Fleischwerdung des Sohnes verbunden ist, wird zum Zwischenglied, um zu Christus und durch ihn zum Vater zu gelangen. Aus diesem Grund verfügen die Marienwallfahrten über eigene Merkmale: Man geht zu Maria, um besser zu Gott zu gelangen.
Zur Basilika Monte Berico kommen jedes Jahr Millionen von Wallfahrern. Diese Kirche, die von ihrem Hügel aus über die Stadt Vicenza herrscht und sie beschützt, wird zum Ziel derer, die den Weg der Maria, in ihrer einzigartigen Position zwischen Christus und der Kirche, wieder begehen wollen.
Um sie zu erreichen, muß man "hinaufsteigen", weil der geistliche Weg einem Emporsteigen zu Gott gleichkommt, wobei der körperlichen Anstrengung die innere Mühe der Bekehrung entspricht.
Auf den Monte Berico führen zwei Wege: Das alte "Treppchen", ein mittelalterliches Werk, was mehrere Male restauriert wurde und vom Steinbogen von 1595 bis zur Mitte des Hügels führt; und die Straße der Laubengänge aus dem achtzehnten Jahrhundert mit 150 Arkaden, die alle zehn von einem Absatz unterbrochen werden. Die beiden Wege haben auch ein jeweils unterschiedliches Symbol: Beim ersten wird der Aufstieg über Stufen durch eine Inschrift beendet, die zur Rast und zum an die Jungfrau gerichteten Dankgebet dafür einlädt, daß sie nach den Mühen ein Fortschreiten auf einer bequemeren "gepflasterten" Straße gewährt hat; der zweite dagegen mit seinen 15 Folgen von 10 Bögen verweist den Gläubigen auf die Geheimnisse des Rosenkranzes, der während des Aufstiegs gebetet wird. Auf dem Gipfel befindet sich majestätisch und gewaltig der Wallfahrtsort, wo die Jungfrau in der typischen Abbildung der Mutter der Barmherzigkeit die Gläubigen unter ihrem schützenden Mantels aufnimmt. Hier sind die Serviten seit fast sechshundert Jahren die Ausführer dieser Berufung zur Gastfreundschaft und Hilfe: Sie empfangen den Wallfahrer, stehen ihm in der Bußübung bei und feiern schließlich das Abendmahl als gemeinsame "Anerkennung" einer Erfahrung tiefer Geistlichkeit.
Text: Frau Dr. Michela Fantin (Amt für Kulturgut der Diözese Vicenza) |