Die Votivkapelle
Santuario della Madonna dei Miracoli di Lonigo: Liturgische Ergründung
Die besondere Gliederung der Kirche zeichnet sich durch die Votivkapelle an der Stelle aus, an der sich das, wenn auch heute kaum mehr sichtbare Fresko des Wunders befindet. Im Gegensatz zu den offenen Kapellen, die ab dem XIV. Jahrhundert in den Seitenwänden der Kirchen für die "privaten" Andachten der adligen Familien und einigen Bruderschaften eingerichtet wurden, zeichnet sich diese dadurch aus, daß sie ein regelrechtes Heiligtum ist. An das kleine Gebäude, welches mit größter Wahrscheinlichkeit seine ursprünglichen Abmessungen beibehielt, wurden andere, für die Feiern geeignetere Bauwerke gebaut, die Anbetung und die Verehrung der Mutter Gottes blieb jedoch auf diesen Ort beschränkt. Obwohl der Ausdruck Wallfahrtskirche erst in diesem Jahrhundert geprägt wurde, bezeichnet er einen heiligen Ort, zu dem sich auf der Pilgerfahrt zahlreiche Gläubige zur Andacht ad gratias impetrandas vel vota solvenda begeben. Heute sind die Pilgerfahrten zu dieser Kirche stark zurückgegeangen, aber die Kapelle weist noch deren unveränderte Zeichen auf, die an einer reichen, kostbaren, einem Stück der Goldschmiedekunst ähnelnden Dekoration erkennbar sind. Wenn die Gläubigen unter dem Triumphbogen durchgehen, kommen sie in einen Raum, der für die Andacht bestimmt ist und von der Apsis mit einem auf einem Geländer befindlichen Säulengang, einem Werk von Alvise Ramberti da Montagnana (zwischen dem XV. und XVI. Jahrhundert), abgetrennt ist. In der kleinen Apsis befindet sich der Altar, der an den Seiten über wunderbare Marmorintarsien aus dem XVII. Jh. verfüget, die mit Früchten behängte Zweige und Vögel darstellen. Auf der Tafel bildet ein Mosaik vom Ende des neunzehnten Jahrhunderts das damals bereits beschädigte Fresko nach. Die Jungfrau wird in der Position nach dem Wunder am Fuße des Baumes des Kreuzes dargestellt; zwischen den Blättern sind die Medaillons mit den 12 Aposteln, in der Mitte der gekreuzigte Christus und oben der Pelikan als Symbol seines Opfers gezeichnet. Auf der linken Wand sieht man undeutlich die Reste der orginalen Malerei, die mit einer Ädikula aus rotem Marmor aus der Zeit des Lamberti eingerahmt ist. Das wundertätige Bild ist mit einem Gitter geschützt, auf dem die päpstliche Tiara zur Erinnerung der Krönung des Bildes, die laut Überlieferung im Jahre 1618 stattgefunden hat, ruht. Genau auf die Barockzeit geht der Rest der Dekoration zurück, man betrachte besonders das Tonnengewölbe, das mit vergoldetem Stuck versehen ist, in dessen Mitte sich die Jungfrau und an den Seiten musizierende Engel befinden. Diese Temperamalereien gehen zwar auf die Zeit der Reliefdekorationen zurück, wurden aber 1887 unter der Leitung des Malers Rocco Pittaco, der die Aufgabe hatte, auch die beiden einfarbigen Malereien mit der Geschichte der Wallfahrtskirche an der Nordseite der Kapelle zu malen, weitgehend restauriert. Die gesamte Dekoration der Kirche ehrt die Marienfigur und besonders den Moment ihrer Verherrlichung von Leib und Seele. In der Entwicklung der Marienverehrung stellt die Himmelfahrt in der Tat den Höhepunkt der Macht der Jungfrau, die als Königin vor Gott aufgenommen wird, dar.
Text: Frau Dr. Michela Fantin (Amt für Kulturgut der Diözese Vicenza)
Santuario della Madonna dei Miracoli di Lonigo
Adresse: via Madonna di Lonigo, 18 - 36045 Lonigo (VI) - tel. 0444 830502
Öffnungszeiten: alle Tage 8.00-12.00 Uhr und 14.00-18.00 Uhr |